EIN B BESSER

Das zweite «B» von Airbnb fällt oft flach. Warum das so ist – und wo man das «B» für Breakfast noch richtig pflegt.

s sind nur sechs Buchstaben. Aber seit diese paar Lettern 2008 geboren wurden, haben sie die Reise-Welt verändert. Wir sprechen hier – Sie ahnen es – von Airbnb. Also von der Idee, dass jeder seine Wohnung, sein Zimmer, seine Baumhütte, sein Schloss über das Internet vermieten kann. Das Konzept boomt. Aktuell stehen bei Airbnb weltweit über drei Millionen Unterkünfte zur Verfügung, alleine in der Schweiz sind es über 20 000. Tendenz steigend.

Bett: ja. Aber Breakfast? Woher stammt eigentlich die Abkürzung Airbnb? Es ist ein Kürzel für «Airbed and Breakfast», also die sprachliche Komprimierung von Luftmatratze (als Synonym für Bett) und Frühstück. Eine schöne Kombination. Und ein schönes Versprechen, das uns Airbnb immer wieder bildstark vermittelt: Wer mit Airbnb reist, kommt im echten Leben an. Man spult nicht nur den touristischen Circuit ab, sondern landet bei den Eingeborenen. Einmal abgesehen davon, dass heute sehr viele Airbnb-Unterkünfte gewerbemässig betrieben werden, interessierte mich kürzlich mal das zweite «B» im Firmennamen. Ich machte den Reality-Check und fragte in eine Menschenrunde, die praktisch nur noch via Airbnb verreist: «Wie ist denn da eigentlich so das Frühstück?» Als Antwort erhielt ich stets eine Rückfrage: «Welches Frühstück?» Logisch. Die meisten Airbnb-Apartments werden als ganze Wohneinheit vermietet. Da ist kein Local, der den Code der Stadt erklärt. Da ist kein Kaminfeuer, wo die Eingeborenen sitzen und aus dem prallen Leben berichten. Da ist nur jemand, der den Schlüssel übergibt. Und vor allem: da ist kein Breakfast.

Bin ich ein Pedant, wenn mich das stört? Bin ich kleinlich, ewiggestrig, ein Airbnb-Nichtversteher vielleicht? Ein friemeliger Frühstücksminister? Nö. Ich finde das Konzept des Apartment-Sharings (das eigentlich der Schweizer Bruno Franzen mit Interhome in den Grundzügen schon 1965 erfand, aber lassen wir das jetzt) eine spannende Sache. Ich habe es selber schon genutzt (es gab kein Frühstück). Aber weil mich Schokoladenseiten ebenso wie Kehrseiten interessieren, muss ich doch sagen: Wenn einem im Firmentitel – oder im Branding, um es etwas US-amerikanischer zu halten – etwas versprochen wird, das dann meist nicht eingehalten wird, dann ist das keine feine Sache. Es schmeckt etwas nach, wie soll ich sagen: B-Trug?

Breakfast als Must. Eine Schwester im Geiste habe ich mit meinem Zmorge-Zweifel in der Schweizer Touristikerin Dorette Provoost gefunden: «Wenn mit einem „B“ zwar Breakfast signalisiert wird, das dann aber selten wirklich drin ist im Angebot, dann finde ich das nicht gut. Es verzerrt den Wettbewerb.» Provoost sagt das auch in eigener Sache. Als Geschäftsführerin der Organisation Bed and Breakfast Switzerland macht sie sich stark für ein starkes Frühstück. Das zweite «B», sagt Provoost, «ist bei uns ein absolutes Must». Jeder der aktuell 921 Schweizer Bed-and-Breakfast-Betriebe muss ein herzhaftes Zmorge bieten – «wer das nicht hat, kann nicht Mitglied sein.»

Da muss der Internaut für einmal Partei ergreifen. Ich pflichte der Bed-and-Breakfast-Geschäftsleiterin zu. Ich verstehe ihren Ärger. Wo «B» draufsteht, sollte auch «B» drin sein. Müsste man eine weltweite Sammelklage anstossen? Oder die Airbnb-Gastgeber auf ein Ampelsystem einschwören? Vielleicht so: Grün: Hier gibt es tatsächlich Frühstück. Rot: Kein Frühstück. Orange: Nimm Dir einen O-Saft im Kühlschrank. Oder ein Gericht anrufen? Dorette Provoost jedenfalls fasste ins Auge, für einen bewussteren Umgang mit dem Buchstaben «B» vor dem Kadi zu kämpfen: «Ich trug mich mit dem Gedanken, als weltweiten Präzedenzfall Airbnb deswegen in der Schweiz zu verklagen – sozusagen David gegen Goliath… ». Sie liess es bleiben: «Mein Anwalt riet mir davon ab mit der Begründung, der Name der Firma sei nicht so wichtig – es erwarte heutzutage niemand mehr ein Frühstück bei Airbnb». Da hat er wohl recht, der Anwalt. Und auch der Internaut versteht, dass der Zmorge nicht das Brot-und-Butter-Geschäft ist bei Airbnb. Aber dann sollte es auch nicht so beschriftet sein.

«Holiday on Air». Zufrieden ist Dorette Provoost noch längst nicht. Mit Recht. «Wenn die sich «Holiday on Air» nennen würden, wäre es mir egal», sagt die Bed- und vor allem Breakfast-Verfechterin. «Aber so wie das Airbnb aktuell macht, geht es nicht.» Der Internaut sagt es jetzt einmal so: Das zweite «B» in Airbnb ist oft heisse Luft. Wer auf die aufbauende Kraft des Frühstücks setzt, schaut sich besser in der Welt der Bed and Breakfasts um. Weil es dort ein B besser ist.

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One Comment

  1. Auf unserer Reise um die Kugel haben wir teils zwangsbedingt Airbnb berücksichtigt und haben sagenhafte ein Mal Frühstück erhalten. Das war dann aber effektiv auch ein besserer Start in den Morgen, als in einer Unterkunft zu erwachen, die nur dem Profit wegen angeboten wird. Zwangsbedingt übrigens bedeutet, dass manchmal die Agados, Bookings und Hostelsworlds dieser Welt keine geeigneten Unterkünfte hatten oder gegenüber Airbnb massiv teurer. Aber auch Airbnb ist nicht immer das Gelbe vom Ei, wobei wir schon länger auf einen ernstzunehmenden Mitbewerber für Airbnb warten…

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